Independent Newsmag

Unabhängige Nachrichten und Leaks

Geo-Engineering – Gezielt das Klima beeinflussen

Anfang Dezember 2014 luden die Vereinten Nationen zu einer Konferenz in Lima, um ein internationales Klimaschutzabkommen vorzubereiten. Wenig später versammelten sich Vertreter von Dutzenden wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen in Washington D. C. und diskutierten über Richtlinien für die Forschung auf dem Gebiet des Geoengineering. Mit diesen stark umstrittenen Maßnahmen ließe sich der Planet kühlen – sollten politische Ansätze scheitern.

„Es gibt eine Reihe von Risiken und Unbekannten“, sagt Paul Bertsch, stellvertretender Direktor der Land and Water Flagship der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) im australischen Brisbane und ehemaliger Vorsitzender des Council of Scientific Society Presidents, dem Veranstalter der Geoengineering-Konferenz. „Wir müssen also dringend einen abgestimmten Forschungsplan entwickeln und umsetzen, der sich genau damit auseinandersetzt.“

Manche Ideen, wie das Speichern von Kohlenstoffdioxid in Gesteinsschichten oder den Tiefen des Ozeans, werden bereits getestet. Andere wirken eher futuristisch: Durch das Zerstäuben von Meerwasser in der Atmosphäre könnte man beispielsweise die Wolkenbildung fördern und dadurch letztlich mehr Sonnenlicht zurück in den Weltraum reflektieren; mit dem Einbringen von Sulfatpartikeln in die obere Atmosphäre ließe sich der natürliche Kühleffekt von Vulkanasche imitieren; und riesige Spiegel im Orbit wären in der Lage, das Sonnenlicht zurückwerfen, bevor es die Erde erreicht.

Doch weder im ökologischen noch im politischen Umfeld sorgte eines dieser Konzepte für übermäßige Begeisterung. Denn bei der Vorstellung, mit dem Planeten herumzuexperimentieren, wittert so mancher wissenschaftliche Hybris – und sorgt sich um unerwünschte Nebenwirkungen. Klimawissenschaftler befürchten beispielsweise, dass das Einbringen von Sulfat in die Stratosphäre die Niederschläge in einigen Regionen verringern und den Ozonabbau verschlimmern könnte.

Am 2. und 3. Dezember 2014 diskutierten Mitglieder von wissenschaftlichen Organisationen und Instituten, die rund 1,4 Millionen Wissenschaftler, Ingenieure und Dozenten vertreten, welche Forschungsarbeiten angesichts der möglichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen von klimaverändernden Maßnahmen annehmbar sind und welche nicht. Eine 2010 im kalifornischen Asilomar abgehaltene Konferenz brachte diesbezüglich keine klaren Richtlinien hervor.

Die meisten Wissenschaftler halten es noch für zu früh, über groß angelegte Studie nachzudenken – insbesondere was die Reflexion von Sonnenlicht angeht. Denn bislang seien die Techniken nicht ausreichend unter kontrollierten Bedingungen getestet. Dennoch sollte man das Geoengineering nicht als letztes Mittel gegen die schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmung ausschließen, sind sich viele Forscher einig.

„Es stellt sich die Frage, wann – wenn denn überhaupt – wir mit Freilandversuchen beginnen sollten“, berichtet Matthew Watson von der University of Bristol in England. Der Vulkanologe leitet ein Projekt, in dem er und seine Kollegen untersuchen, wie der gezielte Eintrag von Licht reflektierenden Partikeln die Atmosphärenchemie beeinflussen könnte. „Ich kann nicht sagen, dass ich ‚Geoengineering‘ besonders mag, aber ich fürchte, wir müssen über kontrollierte Feldversuche nachdenken.“


Hinterlasse einen Kommentar